Zur Meinungsfreiheit westlicher Gesellschaften zählt das Recht zur missverständlichen Überzeichnung.
   
04.01.2010 - dradio.de

 

 

   

Kommentar zum Tage:

'Volksbildung'
 

 

 

 
     
 

ostholstein.mediaquell.com

schreibt über eine Produktion des 'Lohengrin' in Kiel:
 
'Mit der Geschichte, die uns Richard Wagner erzählt, setzt der Komponist erhebliche Geschichtskenntnisse bei seinen Zuschauern voraus – Kenntnisse, die der „normale“ Opernbesucher kaum mehr hat.'

Demnach fehlt beim Kieler Theaterpublikum das Wissen um das Werk, das als romantische Oper 1850 von Liszt in Weimar uraufgeführt wurde.

Über Bildungslücken bei der Bevölkerung ist vieles vielen bekannt, selbst das Goethe-Institut räumt ein:


'Die Kenntnis der jeweiligen Klassiker kann sie dabei bei Gymnasiasten so wenig wie bei Hauptschülern voraussetzen.'

http://www.goethe.de/kue/the/tst/de4694871.htm
 

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Hier nun ist das jeweilige Theater gefordert, das von den Eltern und der Schule verursachte Manko auszugleichen.

Es bieten sich echte Einführungsseminare - keine Spielereien wie mit o.a. Link zugängige Vorgehensweise von Ostermeiers Schaubühne in Berlin - oder wie oft erlebt, keiner der dort bei der Einführung Vortragenden sagt etwas über das, was das Publikum auf der Bühne erleben wird, man hat Angst, man könnte die Leute verschrecken.

Oder aber die Dramaturgie schreibt im Programmheft über die Vorstellungen des betreffenden Hauses bzw. die Intentionen der Regie mitsamt Bühnenbild, Maske und Kostümen.

Was ist aber, wenn das Publikum weder zu einem Einführungsvortrag erscheint, noch sich ein Programmheft kauft?

In dem Zusammenhang stellt sich die Frage, warum sind Einführungsvorträge für Inszenierungen überhaupt notwendig - klar, weil letztere so vermurkst werden, dass man nichts mehr erkennt, die Inszenierung weder mit dem Inhalt, noch mit dem gesprochenen / gesungenen Text etwas zu tun hat.
Ein Beispiel hierfür war diese ach so entzückende 'Lohengrin'-Inszenierung, die Theaterdirektor Weil mit seinem hochbezahlten Team in Regensburg auf die Bühne stellen ließ.

http://www.heerrufer.de/Bemerkung_zu_'Lohengrin'_%20-_Oberpf._Metropol-Theater_Regensburg_1._und_30.11.2010.htm

Man richtete sich wohl nach einer Dame, die hier nicht genannt sein soll, die nach eigener Aussage 'modische' Inszenierungen liebt.

3sat sprach in seiner Kulturzeit am 19. Januar 2012 vom:
'Tannhäuser-Skandal' im Jahre 2011. 
Dabei war diese Bayreuther Inszenierung doch so hübsch 'modisch'.

 

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Man stelle sich vor, Kiel hätte einen Richard-Wagner-Verein und man wäre dort fachlich qualifiziert und damit in der Lage, Wissen zu vermitteln.
Im Internet ist aber kein RWV-Kiel zu finden:
 

Germany:
Augsburg | Bad Reichenhall | Baden-Baden | Bamberg | Bayreuth | Berlin | Bielefeld | Bochum | Bonn | Braunschweig | Bremen | Chemnitz | Coburg | Dessau | Dortmund | Dresden | Düsseldorf | Eisenach | Flensburg | Frankfurt am Main | Freiburg | Fulda | Halle | Hamburg | Hannover | Heidelberg | Karlsruhe | Kassel | Koblenz | Köln | Konstanz | Leipzig | Magdeburg | Mannheim | Minden | München | Münster | Neu-Ulm | Nürnberg | Pforzheim | Saarbrücken | Schwerin | Siegburg | Siegen | Solingen | Stuttgart | Trier | Ulm | Weimar | Wiesbaden | Wuppertal | Würzburg

Auszug aus der Internet-Information des RWVI
 

Wie heißt es so schön aufgesetzt in der Satzung, es sei die Aufgabe des RWVI:
 


- die Volksbildung zu fördern.
Diese Förderung geschieht u. a. durch Studienreisen, Vorträge, Diskussionen, Besuche von Konzert- und Opernaufführungen.

Das Verständnis für das Werk Richard Wagners ist dabei zu wecken und zu vertiefen.

 

Wo ist man, warum ist man nicht auf dem Wege nach Kiel, dort einen Richard-Wagner-Verein zu gründen, der Wissen vermittelt, der nach den Statuten die Volksbildung fördert, das Verständnis für das Werk Richard Wagners weckt, ja besser, auch noch vertieft.

Gründungen in anderen Städten Europas, in Süd-Afrika oder Nah-Ost machen natürlich mehr her, aber man sollte doch wohl zunächst einmal im Lande bleiben und dafür sorgen, dass auch die Kieler erfahren, was Richard Wagner im 'Lohengrin' aufzeigen möchte.

Nun aber sitzt das Publikum ohne Vorbildung im Theater der Schleswig-Holsteinischen Landeshauptstadt, in dem die Sitze aus öffentlichen Geldern bezuschusst werden.

Fielen diese Subventionen weg, ginge wohl wegen der abstrusen Inszenierung bei hohen Eintrittspreisen keiner mehr hin. Niemand kann sich am Bildungsauftrag vorbei Mätzchen erlauben, es sei denn, er kann Löcher mit öffentlichen oder Sponsoren-Geldern stopfen.

Aber hier noch einmal der Vorgang mit der Aussage von Regensburgs Bürgermeister Wolbergs in Bezug auf die Gelder, die das Theater Regensburg ständig verschlingt:

 


>> “Das kostet uns richtig viel Geld.
Mit welchem Recht sagen wir,
die Infrastruktur-Einrichtung Theater ist wichtiger
als die Infrastruktur-Einrichtung Stadion?”,
fragte er rhetorisch in den Saal, der mit großem Applaus antwortete. <<

Regensburger Wochenblatt am 16.11.2010
über eine Aussage von Bürgermeister Wolbergs während einer Podiumsdiskussion
zum Neubau eines Fußballstadions in Regensburg

 

 

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Um 'Missverständnisse' zu vermeiden:

Als Abonnent und Abnehmer von Karten im freien Verkauf verstehe ich diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf - nach meiner Auffassung - Geglücktes oder Misslungenes.

Neben Sachaussagen enthalten diese Texte auch Überspitztes und Satire.

Hierfür nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5, Grundgesetz, in Anspruch.

Dieter Hansing

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